BER: Das kann sich keine*r mehr ausdenken.

Sie sind rar geworden, die Sonntage an denen die Bild brisante Interna des BER veröffentlicht. Gestern war es wieder soweit. BILD meldet: „Einsturzgefahr am Pannenflughafen?“. Was soll man dazu noch sagen, frage ich mich. Was soll man dazu noch sagen, wenn man sich 3 Jahre mit diesem Schrotthaufen von einem Flughafen beschäftigt, frage ich sie.

Natürlich fallen mir sofort mindestens drei platte (sic!) Wortwitze ein und der Hinweis auf „Einstürzende Neubauten“ ist sicher inzwischen in jeder Berliner Redaktion geächtet. Nur was kann man noch Substanzielles zu diesem niemals endenden Desaster beitragen, das nicht nach Durchhalteparole oder kontrolliertem Warmabriss klingt?

Richtig! Nichts. So spalten sich dann auch die politischen Lager. Jene, die nicht über das schnelle schmerzhafte Ende des BER nachdenken wollen, ergehen sich in immer neuen Facetten von „Das wird schon.“. Andere wiederum – wie ich – würden am liebsten Gestern statt Morgen mit dem Planen eines neuen Flughafens anfangen, die kaputte FBB zerschlagen und die Überreste der Flughafenbaustelle verscherbeln. Zum Beispiel an die Messe.

Da Letzteres zu viel politiche Kraft brauchen würde, als dass sie ein Provinzparlament aufbringen könnte, wird es auf absehbare Zeit bei den Durchhalteparolen bleiben. Wir werden weiter von immer neuen Problemen, Skandalen und Versäumnissen aus der Presse erfahren und ich werde weiter wie eine geborstene Schallplatte klingen, wenn ich die Fehler und Verantwortlichen aufzähle.

Zum Beweis hier eine kleine Anfrage aus dem vergangenen Jahr, in der ich nach genau dem jetzt bekannt gewordenen Problem zu großer Deckenlasten gefragt habe. Der Senat antwortete mir damals: „Nach Angaben der FBB wurden in keinem Bereich des Terminals des Flughafens Berlin Brandenburg zu hohe Deckenlasten festgestellt.“ Ich glaube sofort, dass die FBB damals keine zu hohen Deckenlasten festgestellt hat. Sie haben einfach nicht nachgeschaut. Allerdings frage ich mich schon, ob die Damen und Herren des Senats und der FBB denken, ich stelle solche Anfragen aus Spaß oder weil ich Schwäche für unzureichende oder unvollständige Antworten habe. In einem funktionierenden Land könnte ich als Abgeordneter erwarten, dass irgendwer in der Exekutive oder dem öffentlichen Unternehmen meinen Hinweisen mal nachgeht anstatt sie abzutun. Insbesondere seit das Land Berlin sogar einen Flughafenkoordinator hat. Da bin ich aber wohl einfach – immer noch – zu naiv.

Alles beim Alten also. Der gewohnte Schmerz einer gescheiterten Metropole im Episodenformat. Am Ende wählt man SPD.

UPDATE: Der Baustopp kommt schneller als man denkt.

Kaum ein paar Sekunden online, wird der Beitrag schon von der Wirklichkeit überholt.


Mein Kommentar: „Gut, dass wenigstens das Bauordnungsamt im Landkreis Dahme-Spreewald seine Arbeit macht.“

4 Antworten zu “BER: Das kann sich keine*r mehr ausdenken.”

  1. APod sagt:

    Danke für deine biherige Aufklärungsarbeit. Jetzt musst du dich primär darum kümmern, einfach den Verstand nicht zu verlieren. Selbstschutz! Wer weiß, was da noch so schlummert. Alles ist möglich…

  2. Pavel sagt:

    Genau – Danke für die tolle Arbeit, Martin!!

  3. Hendrik sagt:

    Als nächstes sollte man nun feststellen lassen, ob auch wirklich alle Stahlträger verschraubt und nicht nur aufgelegt worden sind. Oder hat man diesbezüglich seit dem Hauptbahnhof dazugelernt?

  4. Thomas Sadowski sagt:

    Sehr geehrter Herr Delius,
    ich möchte mich für Ihr politisches Engagement und Ihren Einsatz in Sachen BER- Aufklärung aus tiefstem Herzen bedanken!

    Es ist einfach zum Himmel schreiend, mit welcher Arroganz und Leichtfertigkeit die Flughafeninitiatoren die Gesundheit der Anrainer und auch die der künftigen Berlin-Touristen, aufs Spiel setzen.

    Beginnend mit der falschen Standortwahl, über die Verklärung des ungeeigneten Bauuntergrundes, angepassten Statiken und die Mensch-Maschine-Lösung, ist hier nur Verklärung und Betrug angesagt.
    Es ist zu hoffen, dass die anstehende Statikprüfung sich nicht nur auf der Ebene oberhalb des Erdreiches beschränkt. Die seit längerer Zeit bekannten Probleme der Gründung des Terminals und der Parkhäuser werden auch mittelfristig ein weiteres enormes Sicherheitsrisiko für die Nutzer zu Tage tragen. Erste Auswirkungen wurden schon vor Jahren dokumentiert, dürften aber höchst wahrscheinlich unter Verschluss gehalten werden. Hoffentlich findet Ihr Untersuchungsausschuss weitere Anhaltspunkte zu dieser Sache.
    Entsetzlich ist, dass es es immer wieder darum geht, so viel Geld wie möglich in das Projekt zu versenken, um der Öffentlichkeit/ Bürger dann mit Krokodilstränen die Weiterführung abzuverlangen.

    Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und hoffe, dass Sie persönlich, der Politik und somit unseren Bürgern, weiter zur Verfügung stehen.

    beste Grüße
    Thomas Sadowski

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