Eine Reise nach Madrid

In dieser Woche fahren die Fraktionsvorsitzenden der SPD, Grüne, Linken und Piraten im Berliner Abgeordentenhaus nach Madrid. Das Hashtag ist #madber und der Zweck der Reise ist vor allem das Kennenlerenen. Ich berichte an dieser Stelle von der Reisegesellschaft und den Terminen.

Sonntag ab 11:00 Uhr

Abflug Flughafen Tegel. Die Delegation fliegt – sparsam – mit der Holzklasse. Ob das Abgeordnetenhaus wenigstens die Meilen nutzt, ist unklar und wird gegebenen Falls hier nachgetragen. Die Stimmung ist gut. Eine Durchmischung von Opposition und Koalition findet statt (Siehe Selfi #1).

Natürlich hat die Maschine von Air Berlin mal wieder Verspätung. Naja dann reicht es noch für einen extra Kaffee. Es scheint zumindest nicht das Bodenpersonal der WiSaG Schuld zu sein, denn unser Flieg war zuvor einfach zu spät angekommen. Auf auf die Iberische Halbinsel!

Sonntag ab 16:30 Uhr

Ankunft am Flughafen. Es ist warm (Ach!). Wir treffen auf einen sehr freundlichen und sehr deutschen Botschaftsmitarbeiter der uns auf der zwanzigminütigen (BVG-Minuten) Fahr vom Flughafen unter der Stadt durch bis zum Hotel erklärt, dass der politische Umschwung des Landes derzeit durch die Korruptionsskandale im Baubereich befeuert wird (Ach!). Wir erfahren aber auch, dass die Sozialisten (So nennen sich die Sozialdemokraten) derzeit auf eine Aussage zur Regierungsbildung von Podemos warten um in Madrid die Volkspartei (PP) zu stürzen. Steigt man aus dem klimatisierten Botschaftsbus, versteht man warum die Stadtführung erst um 19Uhr und dann auch wieder mit einer klimatisierten Busfahrt beginnen soll. Bericht folgt.

Sonntag ab 19:00 Uhr

Stadtrundfahrt heißt große alte Gebäude, berühmte Springbrunnen und bekannte Straßen und Plätze. Wir sahen das neue Rathaus, haben Handyaufnahmen gemacht und nahmen die Stadt Madrid, die in etwa so viele Einwohnerinnen hat wie Berlin, in uns auf. An einem Sonntag Abend ist es völlig normal bis 21 Uhr einkaufen zu gehen. Feste Ladenöffnungszeiten gibt es hier nicht. Spätis unnötig. Besonders bemerkenswert fand ich dann doch, dass nach der wechselhaften und sehr muslimisch geprägten Geschichte dennoch nur rund 100.000 Muslime im Großraum Madrid (ca. 6 Mio Einw.) wohnen sollen. Die Diversität der Stadt und ihre spürbare Liberalität ist offensichtlich ein Lebensgefühl der letzten 30 Jahre, in denen Madrid enorme Zuströme an Einwanderinnen und Einwandern verzeichnen konnte. Dann bin ich mal gespannt wie die Politik so mit den Herausforderungen umgeht. Die Rundfahrt mit anschließendem Essen endete übrigens so gegen eins.

 

Montag ab 10:30 Uhr

 

Am Anfang so einer Reise stehen sie an, die Briefings über die politische Situation am Reiseort. Zunächst die Stiftungen. Vertreten waren die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Konrad Adenauer Stiftung. Natürlich drehte sich alles um das Wahlergebnis vom 24.5. und die neuen Gewinner Podemos aber auch Ciudadanos, Beiden wird zwar eine erschütternde Kraft in der Spanischen Politik zugeschrieben, die beiden Stiftungsvertreter konnten aber noch keine Aussagen über die Nachhaltigkeit des Ganzen machen. Am ehesten Wirkung haben die neuen Starken schon dadurch, dass die beiden etablierten Parteien in Bewegung geraden. PSOE und PP haben hier wohl so etwas wie die Fortsetzung des Bürgerkrieges mit politischen Mitteln geprobt und sich bisher nicht mit einander unterhalten oder gemeinsam an politischen Lösungen gearbeitet. Das könnte sich jetzt ändern.

Montag ab 13:00 Uhr

 

Eine Delegation des Abgeordnetenhauses kommt natürlich nicht ohne den Besuch der jeweiligen Vertretung Deutschlands aus. Die Deutsche Botschaft in Madrid ist eine der ältesten Botschaften Deutschlands nach 1871 und architektonisch beeindruckend (wenn man auf Bauhaus steht). Es gab ein Mittagessen – die dritte Mahlzeit für uns. Wir haben die Auswirkungen der europäischen Austerität, die riesigen Korruptionsskandale im Land und die Ausbildungssituation diskutiert. Die extreme Jugendarbeitslosigkeit wirkt anscheinend nicht so stark weil viele Jugendliche – gerade auf dem Land – in ihre Familien flüchten und am Ende halt mit wenig Geld und Schwarzarbeit über die Runden kommen. Gleichzeitig ist Bereitschaft zur besseren Qualifikation und das Umziehen zum Arbeitsplatz in der Gesellschaft kaum ein Thema, so dass sich nicht viel ändern wird. Eine klassische verlorene Generation bildet sich aus. Daran wird auch Podemos nichts ändern. Positiv ist, dass es trotz sozialer Schieflage, traditionell hoher Migration und Arbeitslosigkeit keinen Rechtsruck oder rassistische Proteste wie in Deutschland und anderswo gibt. Da können wir von Madrid und Spanien einiges lernen. Das Gefühl hier ist wohl: Wir sitzen alle im selben Bot.

Montag ab 15:30 Uhr

 

Wir besuchen das Goethe-Institut in Madrid. Die haben vor allem mit Überzeugungsarbeit beim Deutschunterricht zu tun, leisten aber auch viel bei der Umsetzung der Berufsausbildungsprogramme Deutschlands in Spanien und gleichen die Defizite in der Deutscherziehung in Spanien aus. War kurz aber erhellend.

Montag ab 16:30 Uhr

Ein Museumsbesuch darf natürlich nicht fehlen. Und was für eins! Das „Museo National Del Prado“ beherbergt die Sammlungen der Spanischen Monarchie. 1200 Exemplare, meist in der Größe kleiner Autos in beeindruckender Vielfalt. Das kann man nicht in 1,5 Stunden schaffen. Da muss ich wohl nochmal her kommen.

Montag ab 18:00 Uhr

 

„Abend zur freien Verfügung“. Das heißt wir kaufen Mitbringsel ein und gehen was essen. Morgen geht es früh weiter.

Dienstag ab 8:30 Uhr

Es gäbe viel zu erzählen aber es ist viertel Neun und in wenigen Minuten geht das Taxi zum nächsten Termin. Deshalb die Ereignisse in kurzer Folge: Arbeitsagentur und Ausbildungsstätte für duale Ausbildung|Rathausführung und Treffen mit der (noch) Bürgermeisterin|Forschungsinstitut für Materialforschung am Ende der Stadt|Forschungsinstitut für Nanotechnologie und mit Deutschen am anderen Ende der Stadt.

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