Senat mahnt Olympiasatire ab

Weil der DOSB empört war, hat der Berliner Senat den Blog metronaut.de abgemahnt, die satirische Olympiaplakate aus alten Nazimotiven veröffentlicht hatte. So etwas Unsouveränes habe ich lange nicht gesehen.

Sicher bin ich nicht der Einzige, der sich über die “Neue Bilder für Olympia in Berlin”-Argumentation der Spielebefürworter*innen in der Stadt wundert. Als ob durch Spiele in Berlin 2024 die Szenen von 1936 vergessen gemacht werden könnten oder sollten. Der Blog metronaut.de – genauer ein gewisser John F. Nebel (Name der Redaktion bekannt) – hatte sich dieser absurden Argumetentation ebenfalls angenommen und gefälschte Plakate für die aktuelle Olympia-Kapagne des Senats erstellt.

Problem dabei: Die Selbst-Mach-Plakate ähnelten doch sehr den Plakaten für Olympia 1936. Das war gewollt und als Satire gekennzeichnet. Der Deutsche Olympische Sportbund nahm das nicht ganz so sportlich, meldete sich beim Senat und fragte nach was das soll? Der hatte dann nichts Eiligeres zu tun als die Blogger abzumahnen. Das ist unsouverän und unfair. Hier greift der Staat in die Pressefreiheit ein, die der Regierende Bürgermeister noch vor kurzem auf dem Pariser Platz verteidigen wollte. Frechheit.

Einziger Grund: Der DOSB darf nicht böse sein, sonst dürfen wir uns nicht bewerben. Wohlgemerkt auf Spiele, die die Berlienerinnen und Berliner wahrscheinlich eh nicht wollen und für die wir nicht in der Lage sind ein vernünftiges Konzept aufzustellen. Schöne Reklame.

Der Senat und allen voran der Regierende müssen sich umgehend bei metronaut.de entschuldigen und die Anwälte zurückpfeifen.

UPDATE

Die Geschichte dreht sich natürlich weiter. Metronaut hat sich entschieden die satirischen Plakate wieder online zu stellen, mein Kollege Klaus Lederer hat eine schriftliche Anfrage gestellt, Simon Weiß wird im Medienausschusses des Abgeordnetenhauses nachfragen was das soll und auch der Senat hat sich jetzt geäußert.

Der Senatssprecher Schodrowski ließ sich beim RBB mit dem denkwürdigen Satz zitieren: “Satire hat da ihre Grenzen, wo die Integrität des Senats infrage gestellt wird.” Aber aber Herr Schodrowski. Messen wir da nicht vielleicht ein klein wenig mit zweierlei Maß? Ich dachte immer, der Sinn und Zweck von Satire wäre der schonungslose und ungehemmte Angriff auf die Integrität der Mächtigen. Der Senat sieht das anders. Mächtig.

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