Die Schrecken von Stonehill Gardens

IMG_20140825_135850089Die Mieter*innen der von einer Luxussanierung bedrohten Siedlung am Steinberg wehren sich, zuletzt mit einem erfolgreichen Einwohnerantrag an die BVV. Bezirksamt und BVV stehen jetzt in der Verantwortung, dem Willen der Reinickendorfer*innen Rechnung zu tragen und zu handeln.

So etwas gab es in Reinickendorf noch nicht – Bewohner*innen des Bezirks haben in die letzte Bezirksverordnetenversammlung erfolgreich einen Einwohnerantrag eingebracht. Es geht um die Kleinhaussiedlung am Steinberg, ein vor fast hundert Jahren erbautes, denkmalgeschütztes Ensemble aus 62 Wohneinheiten. Diese Siedlung soll, geht es nach dem Investor, dem die Siedlung seit 2010 gehört, bald „Stonehill Gardens“ heißen – „ein luxuriöses Kleinod in Berlin“, so ein Prospekt. Ein besonderer Vorteil offenbar: Die Siedlung steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Ein Immbilienmakler wirbt bereits für eine „Steuerersparnis mit Denkmalimmobilie“ von fast 200.000€ bei einem Kaufpreis von 500.000€.

Das luxuriös sanierte Musterhaus mit Pool, das vom Investor diesen Sommer gerne für Grillparties genutzt wurde, läßt aber die Frage entstehen, was hier eigentlich unter Denkmalschutz verstanden werden darf. Abgesehen davon: In diesem Kleinod leben Menschen, und zwar teilweise in dritter Generation, die sich nicht durch eine Luxussanierung vertreiben lassen wollen. Ihre Häuser wurden, nachdem die Siedlung in der Mitte der 1980er durch die GSW übernommen wurde, vom Eigentümer praktisch dem Verfall preisgegeben – bekanntlich kein Einzelfall in Berlin. In der Folge hatten sich die Mieter*innen selbst um den Erhalt der Bausubstanz gekümmert. Jetzt sehen sie sich mit Repressionen durch den Investor konfrontiert, haben berechtigte Angst vor Luxussanierungen und sich vervielfachenden Mieten und sehen in eine ungewisse Zukunft.

Die Einwohner*innen fordern mit ihrem Antrag, der von über 1500 Reinickendorfer*innern unterstützt wurde, Transparenz bei den bisher erteilten Baugenehmigungen ein, einen Stop weiterer Genehmigungen, die Prüfung eines Milieuschutzes, eine unabhängige Beratung und die Aushandlung einer Rahmenmodernisierungsvereinbarung. Der Antrag wurde in den Ausschuss für Bauwesen und Stadtplanung überwiesen. Ich hoffe, dass er dort zügig behandelt und den Forderungen der Bürger*innen Reinickendorfs und der Mieter*innen der Siedlung Rechnung getragen wird, bevor durch weitere Baumaßnahmen und Schritte des Investors noch mehr Fakten geschaffen werden.

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