Bist du Antifaschist*in?

fb-headFalls du dir jemals diese Frage gestellt hast oder ein anderer Mensch diese Frage an dich gerichtet hat und du nicht sofort wusstest wie du antworten sollst, gibt es jetzt eine kleine Hilfe. Unter bistduantifaschistin.de kann mensch nun den Test machen.

Jeder Demokrat sei Antifaschist, aber nicht jeder Antifaschist sei Demokrat, beschrieb Antonia Grunenberg dereinst treffend den Zusammenhang von Antifaschismus und einer demokratischen Gesellschaft. Sie stellte fest, dass Antifaschismus als “Dagegen-Sein” noch lange kein politisches Konzept bedingt. Doch was ist Antifaschismus und ab wann sind wir Antifaschistinnen oder Antifaschisten? Seit Beginn der 1980er Jahre verstehen wir gelebten und aktiven Antifaschismus oft als den Kampf gegen rechte Menschen, rechte Organisationen und rechte Gesinnungen in Form der Antifaschistischen Aktion. Es ist nicht ernsthaft bestreitbar, dass sich seit den Achtzigern die Notwendigkeit oder die Sinnhaftigkeit dieser direkten Aktion gegen Naziaufmärsche und -Organisationen nicht geändert hat.

Doch definiert sich moderner Antifaschismus wirklich ausschließlich darüber, möglichst laut und unnachgiebig zu verhindern, dass das menschenverachtende Gedankengut rechter Menschen ungehindert durch unsere Straßen getragen werden kann? Diese Frage stelle ich mir seit längerem und werde in der Zukunft versuchen, an der einen oder anderen Stelle eine Antwort zu finden. Ich habe den Eindruck, dass die deutsche demokratische – also auch antifaschistische – Gesellschaft in einer tiefen Identitätskrise steckt, wenn es um die Selbstbezeichnung “antifaschistisch” geht. Wir haben zu lange nicht darüber geredet, welche Erwartungen wir an die wehrhafte Demokratie stellen und was wir als Gesellschaft bereit sind dafür zu tun, sie gegen die Feinde der Freiheit zu verteidigen. Bei dem Begriff Antifaschismus blitzt in den Köpfen der Mehrheit der Menschen in Deutschland eben nicht ein Bild von brutal zusammengeschlagenen Ausländerinnen und Ausländern oder den NSU-Morden auf, sondern Bilder von schwarz gekleideten Jugendlichen mit Fahnen und Schals im Gesicht.

Aktive Antifas wissen, wie wichtig schon allein diese äußerliche Drohgebärde ist und wie sinnvoll es ist, sich gegen die Versuche des Staates unsere staatserhaltenden Aktionen zu unterbinden mit aller Entschlossenheit zur Wehr zu setzen. Die Mehrheit der bundesrepublikanischen Bevölkerung weiß das nicht. Sie ist sich nicht bewusst darüber, dass Antifaschismus die rechte Bedrohung als ein komplexes Zusammenspiel aus Xenophobie, offenem Rassismus, Sexismus und ungebremster Herrschaftsmechanismen begreift und sich so natürlich für sehr viel mehr einsetzt. also das Ziel, unsere Städte zu einem “rechtsfreien” (pun intended) Raum zu machen. Antifas überall auf der Welt kämpfen für eine solidarische Gesellschaft, in der sich ein positives menschliches Selbstverständnis durchgesetzt hat. Dazu gehört der Kampf gegen Alltagssexismus ebenso wie gegen scheinbar unstoppbare Überwachungsstaatsstrukturen. Diese Identifikationsmuster mit dem Antifaschismus existieren zwar innerhalb der Szene, dringen aber kaum nach außen und werden vollständig dominiert von einer Angstrhethorik gegen den so genannten linken Terror von Seiten der bürgerlichen Mitte.

Das Projekt bistduantifaschistin.de soll dabei helfen, zumindest für einen kleinen Teil der Menschen dieses schiefe Bild vom Antifaschismus gerade zu rücken und vielleicht beitragen, eine neue Diskussion über den Platz des Antifaschismus in unserer Gesellschaft zu befeuern.

Eine Antwort zu “Bist du Antifaschist*in?”

  1. Jacky Neiwel sagt:

    „Jeder Demokrat sei Antifaschist, aber nicht jeder Antifaschist sei Demokrat.“ Grob triffts das tatsächlich ganz gut. Es ist absolut nicht demokratisch anders gesinnte per aggressiver Demonstration am demonstrieren zu hindern.

    Als Demokrat hab ich aber auch durchaus die Möglichkeit nicht jeden sein Ding machen zu lassen. Demokratie heißt die Wahl der Mehrheit. Wenn die Minderheit dagegen stimmt, muss das die Entscheidung nicht zwangsläufig beeinflussen. Ihr haltet euch bei euren Fraktionssitzungen ja auch nicht mit Konsensfindungen auf. solange ich mit meiner Meinung die Mehrheit bilde kann ich Faschist sein und Demokrat-würd niemandem auffallen.

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