Datenhandel auch mit Berliner Schüler_innen?!

In den letzten Tagen erreichen mich immer wieder Anfragen und Rückfragen zum Thema „Datenhandel an deutschen Schulen und KITAs“. Das Thema wird aktueller denn je, da im Rahmen der kommenden EU-Datenschutzreform völlig legitime Schutzbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen europaweit aufgeweicht werden sollen. Doch reicht das deutsche, landeseigene Datenschutzrecht aus?

Scheinbar nicht. Wie der Journalist Richard Gutjahr in seinem Blog berichtet, erreicht das Ausmaß des organisierten Handels mit personenbezogenen Daten an deutschen Bildungseinrichtungen erschreckende Züge.

Eltern und Kinder berichten von einem hohen sozialen Druck und auch die Zahlen, die präsentiert werden nehmen Dimensionen an, die wohl kaum eine zulässige Werbetätigkeit an Bildungseinrichtungen beschreiben. Dabei steht vor allem die Bertelsmanngruppe in der Kritik, doch das System der Akquise privater Daten durch Werbegeschenke und „Schnupperangebote“ dürfte auch an Schulen und Kitas weite Kreise ziehen.

Am Montag habe ich deshalb auch beim Berliner Senat genauer nachgefragt. In einer kleinen Anfrage, frage ich direkt nach dem Wissensstand und der Verantwortung der Berliner Landespolitik. Der Senat muss sich jetzt mit dem Problem auseinandersetzen!

Datenschutz findet derzeit an Berliner Schulen weder in der Schulkultur noch der Schulverwaltung überhaupt einen geeigneten Rahmen. In unserem Antrag an das Abgeordnetenhaus fordern wir Piraten schon jetzt eine umfassende Informationspflicht gegenüber Schüler_innen und Eltern ein.

Doch wir müssen mehr tun. Je nach Antwort auf meine Fragen wird zu überlegen sein, wie wir die Versorgung mit kostenfreien und preiswerten Lehrmaterialien an Berliner Bildungseinrichtungen verbessern können, damit der Anreiz überhaupt solche zweifelhaften Büchergeschenke annehmen zu müssen, für Lehrer_innen und Eltern verschwindet. Für die Piratenpartei führt der Weg klar in Richtung so genannter OpenEducationResources, die eine staatlich geförderte freie Wissensbasis für alle schaffen sollen.

Es ist die Aufgabe des Staates die Versorgung des Unterrichtes mit Materialien zu freien Verwendung durch Schüler_innen und Lehrer_innen sicher zu stellen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der gesellschaftliche Diskurs darüber wie viel Werbung und privatwirtschaftlichen Einfluss wir an unseren Schulen überhaupt dulden können und wollen. Die Berliner Piratenpartei hat sich zum Beispiel schon frühzeitig klar gegen Werbung der Bundeswehr mit Veranstaltungen an Schulen ausgesprochen.

Die chronische Unterversorgung mit Gerätschaften und elektronischen Lernmitteln wie Rechnern, Tablets oder so genannten E-Boards wird das nächste Problem dieser Art werden. Schon jetzt ist der Berliner Senat auf den guten Willen von namhaften Elektronikherstellern angewiesen um überhaupt eine Grundversorgung mit Laptops herzustellen. Diese Firmen machen ihre Angebote aber nicht ohne Gegenleistung.

Wenn wir nicht schnell handeln und auch in den nächsten Haushaltsberatungen in Berlin ausreichende Investitionen in eine vernünftige Ausstattung von Schulen erkämpfen, wird der Chemieunterricht sicher schneller von Bayer-Shering oder der Informatikunterricht von Google Deutschland gesponsert als uns lieb ist.

Die Antwort der kleinen Anfrage werdet ihr natürlich auch hier bekommen, sobald sie da ist.

7 Antworten zu “Datenhandel auch mit Berliner Schüler_innen?!”

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